
Realismus in der Politik: Eine Interessenbasierte Perspektive
1) Politik als Interessenauseinandersetzung
In der Politik dreht sich alles um Interessen. Sie ist im Kern der Prozess der Konfliktlösung und Gestaltung von Entscheidungen, die das kollektive Leben einer Gesellschaft betreffen. Hierbei verfolgen Individuen, Gruppen und Institutionen ihre eigenen Ziele, die oft divergent sind.
- Der Realismus in der Politik erkennt an, dass hinter ideologischen Fassaden wie „Freiheit“, „Demokratie“ oder „Gerechtigkeit“ primär Macht- und Ressourceninteressen stehen. Diese Sichtweise, die auf Denkern wie Niccolò Machiavelli oder Hans Morgenthau basiert, betont, dass Politik nicht altruistisch, sondern strategisch ist – ein Kampf um Vorteile in einer begrenzten Welt.
- Ergänzend spielen in modernen Gesellschaften wirtschaftliche und geopolitische Abhängigkeiten eine zentrale Rolle, die die Handlungsspielräume von Staaten einschränken und echte Souveränität illusionär machen können.
2) Außenpolitik: Die Dominanz staatlicher Interessen
Der erfahrene deutsche (SPD-)Politiker Egon Bahr (1922-2015) fasste dies treffend zusammen: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ (Äußerung am 3. Dezember 2013 gegenüber 45 Gymnasiasten in der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg.)
- Dies unterstreicht den realistischen Kern der Außenpolitik: Die wahren Motive sind konkrete, oft wirtschaftliche oder strategische Interessen von Staaten, die sich in Allianzen, Sanktionen oder Konflikten manifestieren.
- Rhetorik um Werte dient häufig als Tarnung für diese Ziele. In einer multipolaren Welt, geprägt von Großmächten wie den USA, England, China und Russland, bleibt Außenpolitik ein Spiel der Machtbalance, bei dem kleinere Staaten oft abhängig von dominanten Akteuren agieren.
3) Innenpolitik: Kapitalinteressen und Abhängigkeiten
In der Innenpolitik einer kapitaldominierten Gesellschaft werden primär die Interessen wirtschaftlicher Eliten und großer Konzerne durchgesetzt. Gesetze, Regulierungen und Budgets spiegeln oft die Macht des Kapitals wider, das durch Lobbyismus und Finanzierung politischer Akteure Einfluss nimmt.
- In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) verstärkt sich dies durch die historische und anhaltende Abhängigkeit von westlichen Besatzungsmächten seit 1945. Die Westintegration – einschließlich der NATO-Mitgliedschaft und der EU – hat die BRD in ein System eingebunden, das ihre Politik faktisch nicht-souverän macht.
- Trotz formeller Souveränitätserklärungen wie den Pariser Verträgen von 1955 oder dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 bleibt die BRD in vielen Bereichen von externen Einflüssen determiniert, etwa durch US-amerikanische Militärpräsenz, EU-Rechtssetzung oder wirtschaftliche Abhängigkeiten von transatlantischen Allianzen.
- Die „BRD-Verwaltungs-Regierung“ vertritt somit nicht primär nationale Interessen, sondern jene Interessen der westlichen Mächte und des globalen Kapitals, was die Innenpolitik zu einem Instrument der Stabilisierung externer Strukturen macht.
- Dies führt zu einer Priorisierung von Marktinteressen über soziale Bedürfnisse, zu einer Entmachtung der Bevölkerung und zu ihrer Entfremdung vom BRD-System (Verlust von Vertrauen in Politik, Parteien, System-Institutionen, Banken, Wirtschaft)
4) Krieg als Fortsetzung der Politik
Der preußische General und Militärtheoretiker Carl von Clausewitz prägte die These: „Krieg ist eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Dies bedeutet, dass Krieg kein autonomes Ereignis ist, sondern ein Werkzeug politischer Ziele, das immer im Kontext übergeordneter Interessen steht. Das Primat der Politik über das Militär impliziert, dass militärische Aktionen strategisch auf politische Erfolge ausgerichtet sein müssen – sei es Territoriumserwerb, Ressourcensicherung oder Machterhalt. Im realistischen Verständnis dient Krieg der Durchsetzung von Interessen, wenn diplomatische Mittel scheitern. In der BRD-Kontext unterstreicht dies die Abhängigkeit: Militärische Engagements, wie in Afghanistan oder der Ukraine-Unterstützung, folgen oft westlichen Allianzinteressen und nicht unabhängigen nationalen Zielen, was die Illusion vollständiger Souveränität weiter entlarvt.
Zusammenfassend fordert der Realismus in der Politik eine nüchterne Sicht:
- Interessen dominieren, und in abhängigen Systemen wie der BRD sind nationale Handlungsspielräume begrenzt.
- Eine echte Veränderung erfordert die Anerkennung und Überwindung dieser Strukturen.
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